Friedensprojekt Quetta, (Nord-)Pakistan
Eine Schule für alle

(ein weiteres Projekt - Gwarda -, das von uns 2001/2002 mit 16.300 USD unterstützt wurde, finden Sie unter
http://www.ruthpfau.com/buch/09/1709.html )

Salaam - Don Bosco in Pakistan

Quetta, 2000 m hoch am Fuße des Himalaja gelegen, ist die Hauptstadt von Belutschistan in Pakistan, nahe an der Grenze zu Afghanistan. Vor 5 Jahren lebten hier noch 450.000 Menschen. Inzwischen hat sich ein riesiger Flüchtlingsstrom von Menschen aus Afghanistan in die Region ergossen, die unter den Taliban alles verloren haben und die Einwohnerzahl liegt bei über 1 Million. Die Stadt ist vorwiegend ein Handelszentrum und hat kaum Industrie. Handelsware sind oft aus Iran und Afghanistan geschmuggelte Güter. Allerdings ist Quetta ein wichtiger Umschlagplatz für Erdgas, das besonders in Belutschistan gewonnen wird. Um die Stadt herum ist fruchtbares Ackerland für Gemüse, Getreide und Obst. Jedoch hat es seit 4 Jahren nicht mehr ausreichend geregnet so dass die Landwirtschaft danieder liegt.


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Die Flüchtlinge, mehr als 300.000 Menschen, leben elend in Zelten um die Stadt herum. Die Stadtverwaltung kann keine Hilfen anbieten. Die Kinder verwahrlosen zusehends, müssen tagsüber als Papier- und Lumpensammler unterwegs sein oder sich anderweitig verdingen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

70 % der Bevölkerung in Pakistan sind Analphabeten. Es gibt bei weitem nicht ausreichend Schulen. Die existierenden privaten oder öffentlichen Schulen stehen nur der gesellschaftlichen Elite offen, da das verlangte Schulgeld für ärmere Familien viel zu hoch liegt.

Das geplante Don Bosco Schul- und Jugendzentrum in Quetta hat folgende Ziele:
Eine zweizügige, 10-klassige Primar- und Mittelschule für ca. 900 Schülerinnen und Schüler aus den Minoritätengruppen der Christen und Hindus und afghanischen Flüchtlingen mit der Unterrichtssprache Urdu (statt Englisch). Das Schulgeld beträgt max. 10 DM im Monat und wird nach Möglichkeiten der Familien gestaffelt.
Nachmittags steht das Zentrum den Straßenkindern offen, die in 1-2 Jahren mit einem gezielten schulischen und Sozialprogramm auf den Eintritt in die reguläre Schule vorbereitet werden.
Später soll das Angebot des Zentrums noch durch Kurse in Englisch, Computer und Hauselektrik ergänzt werden.

Das Angebot einer schulischen und beruflichen Bildung für Kinder aus ärmsten Bevölkerungsschichten ist in Quetta einmalig. Es zielt auf ein friedliches Zusammenleben verschiedenster Bevölkerungsgruppen bzw. Konfessionen und auf Chancengleichheit für soziale bzw. wirtschaftliche Randgruppen.


Im Herbst 2003 erreichte uns nachfolgendes Schreiben mit entsprechenden Fotos der Einrichtung:

Sehr geehrter Herr Dr. Winter,

ich grüße Sie herzlich mit erfreulichen Nachrichten aus Quetta. Wie Pater Zago im beiliegenden Dankschreiben an Sie berichtet, besuchen seit Mitte März 499 Kinder das neue Schul- und Sozialzentrum, davon 362 Christen und 137 Moslems, überwiegend afghanischer Herkunft, aber auch einige iranische und irakische Kinder. Jungen und Mädchen, Christen und Moslems werden - bis auf den Religionsunterricht - gemeinsam unterrichtet. Es gibt 2 Kindergarten- und 2 Vorschulgruppen, jeweils 2 Klassen für das erste und zweite Grundschuljahr und je eine Klasse für das dritte, vierte und fünfte Schuljahr. Pater Zago ist sehr stolz darauf, dass in dieser "Schule für den Frieden" Kinder unterschiedlichster ethnischer und familiärer Herkunft zusammenkommen und lernen.

Das Hilfswerk Deutscher Zahnärzte hatte im März 2003 die großzügige Summe von 146.000 EURO bewilligt, die zur Fertigstellung des Zentrums noch fehlten. Mit diesem Betrag konnten die Strom-, Gas- und Wasserversorgung sowie die Außenanlagen finanziert werden. Wie Sie dem Finanzbericht im Anhang entnehmen können, wurden bisher EURO 107.937,98 verausgabt, die Schlussabrechnung legen wir Ihnen vor, sobald uns Pater Zago die entsprechenden Belege zugeschickt hat.

Ich freue mich außerordentlich, dass das Hilfswerk Deutscher Zahnärzte dem "Hilferuf' aus Quetta nachkommen konnte und danke Ihnen und allen Mitgliedern des Hilfswerks von ganzem Herzen für die Unterstützung.

Mit besten Grüßen Ihr

Bruder Jean Paul Muller sdb Missionsprokurator


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Don Bosco Learning Center

Der Innenhof des
"Don Bosco Learning Centers"
Unterricht in einem der Klassenräume.
Christen und Muslims lernen zusammen in
derselben Klasse

Unterricht im Freien...


und

in der Schulklasse


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4 afghanische Geschwister haben als
Flüchtlinge Unterkunft bei uns gefunden


Salaam - Don Bosco in Pakistan
von Frau Karin Balfer, Geschäftsführerin der Missionsprokur der SDB,
Bonn

“Salaam”, so grüßt Pater Peter Zago jedes Kind, das ihm auf dem Schulhof entgegenkommt, und er erntet immer ein scheues oder auch ein strahlendes Lächeln. Selbstverständlich ist diese Begrüßung nicht für die Kinder- ein Erwachsener schüttelt einem Kind die Hand, streicht ihm freundlich über den Kopf, bringt es zum Lachen – ein „Westerner“ sorgt sich darum, dass die Kinder der pakistanischen Christen in Quetta ebenso wie die der muslimischen Afghanen, Paschtunen, Usbeken und der zahlreichen anderen Stämme, die seit alters her oder in verschiedenen Flüchtlingswellen in diese Grenzstadt in Belutschistan im Westen von Pakistan gekommen sind – nur 100 km von der afghanischen Grenze entfernt – zur Schule gehen können, eine kleine Mahlzeit am Tag bekommen können.


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Don Bosco in Quetta – das ist das Don Bosco Learnign Centre in Quetta (DBLC), die neue große Schule im Stadtteil Issa Nagri, einem christlichem Stadtteil mit bis jetzt 800 Schülerinnen und Schülern, beginnend mit dem Kindergarten. Jedes Jahr wird ein weiteres Schuljahr hinzukommen bis zu Klasse 11. Wichtig ist aber auch der nachmittägliche Förderunterricht für ältere Kinder, die noch keine Chance hatten, eine Schule zu besuchen und langsam eingegliedert werden sollen. Und natürlich die beruflichen Kurzkurse, die vor allen Dingen Frauen offen stehen sollten.
Salaam – Friede: In Quetta und im Berufsbildungszentrum von Lahore im Punjab wagen es die Salesianer muslimische und christliche Kinder und Jugendliche zusammen zu unterrichten. Zunächst nur vorsichtig und mit einer größeren Anzahl von Christen, da ihr Angebot vor allem der enorm benachteiligten marginalisierten Gruppe der Christen gilt, aber ganz bewusst als konkreter Friedensdienst in einem Land, wo Christen und Muslime, die als Kollegen in Fabriken arbeiten nicht zur gleichen Zeit essen dürfen und schon gar nicht vom gleichem Geschirr. Die 62 Lehrer im DBLC und den drei afghanischen Schulen lassen sich von diesem Geist der Zusammenarbeit anstecken und sind wichtige Multiplikatoren. Im DBLC beten muslimischen und christliche Kinder jeden morgen das Friedensgebet des heiligen Franziskus, das mit einer kleinen Veränderung von allen, ohne Vorbehalt, mitgebetet werden kann und in dem alles gesagt wird, was diese Menschen so nötig brauchen – alle Menschen. Ein sehr anrührendes Erlebnis.
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Pater Peter erzählt von der schwierigen Anfangszeit, von Misstrauen und brenzligen Situationen: das Haus, in dem Pater Peter und Pater Julio wohnen, wird von einem Polizisten und einem bewaffneten Pförtner bewacht. Anfang März 2004 gab es 20 Tage Ausgangssperre. Die Schule blieb geschlossen, weil es zwischen Schiiten und Sunniten zu einem blutigem Konflikt gekommen war. Man kann auch sagen zwischen Alteingesessenen und unerwünschten Flüchtlingen, die dabei sind, sich einen Platz in der Geschäftswelt zu erobern. Eine Reihe von Geschäften wurden niedergebrannt, viele Menschen starben. Der Druck für die „Westerner“ ist groß, sie müssen diplomatisch vorgehen. Pater Zago nimmt mit jedem freundschaftlichen Kontakt auf und ist Ansprechpartner für viele Anliegen.

Zusammen mit der Don Bosco Welfare Society hat er die Betreuung von drei in gemieteten Lehmhütten untergebrachten Schulen für afghanische Kinder aufgebaut. 1800 Kinder gehen hier in einer Morgen und in einer Nachmittagsschicht zur Schule.


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In der Don Bosco Klinik werden täglich bis zu 40 Frauen und Kinder von einer muslimischen Ärztin behandelt, die ihre Nachmittagsstunden zur Verfügung stellt. Die Frauen sind zu arm, um das Krankenhaus aufzusuchen. Zu einem männlichen Arzt würden und dürfen sie sowieso nicht gehen. Man sieht in Quetta viele Frauen in Burkahs oder auch tief verschleiert. Die Ärztin sorgt sich vor allem um die werdenden und jungen Mütter, die wegen Mangelernährung ihre Kinder oft schon vor der Geburt verlieren, bzw. selber Gesundheitsschäden davon tragen und um die verstoßenen alten Frauen, die als Witwen keine Versorgung der Großfamilie zu erwarten haben.


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Immer wieder kommt es auch vor, dass Kinder und Jugendliche verstoßen werden, vor allem wenn ihre verwitweten oder verlassenen Mütter wieder heiraten und der Vater die Stiefkinder nicht will. Dabei sind diese Mütter selber in Not. Als Witwen, die nur Haushalt und Kinder kennen, haben sie kein Einkommen und erhalten keine Unterstützung von der Familie. Pater Julio, der auch Pfarrer der neuen Don Bosco Pfarrei in Quetta ist, will für solche Jugendlichen, die kein Zuhause mehr haben, eine Unterkunft schaffen. Im Al Fallah können bis zu 60 Jugendliche, Christen und Moslems, unter einfachen Bedingungen untergebracht werden. Auch hier arbeitet die Don Bosco Welfare Society mit, ohne die die Arbeit in Quetta nicht zu denken wäre.
Neben dem Zentrum Al Fallah ist ein wichtiges Zukunftsprojekt ein Hausbauprojekt für obdachlose, christliche Familien, zunächst sind 26 Häuser geplant. Ein Grundstück konnte mit Hilfe von Don Bosco Mission Bonn bereits erworben werden.

Die Arbeit in Quetta ist überzeugendes Beispiel für Engagement im Geiste Don Boscos. Die Don Bosco Mission in Bonn ist froh, dass sie an dieser speziellen Friedensmission mitwirken kann. Die Salesianer sind dankbar für die Kooperation von Misereor, Missio, den deutschen Diözesen, vom Hilfswerk deutscher Zahnärzte und vielen deutsche Spendern, die diese Arbeit ermöglichen.

Herr
Mach mich zu einem Werkzeug Deines Friedens
Lass mich Liebe bringen in den Hass
Verzeihung in die Schuld
Einheit in die Zweitracht
Wahrheit in den Irrtum
Glauben in den Zweifel
Hoffnung in die Verzweiflung
Licht in das Dunkel
Freude in die Traurigkeit

Herr
Lass mich mehr danach trachten zu trösten als Trost zu finden
zu verstehen als Verständnis zu finden
zu lieben als Liebe zu finden
Im Geben empfange ich
Im Mich-Vergessen finde ich mich
Im Verzeihen empfange ich Verzeihung
Im Sterben stehe ich auf zum ewigen Leben

Autorin dieses Berichtes: Frau Karin Balfer, Geschäftsführerin der Missionsprokur der SDB,
Bonn.