Krankenhausprojekt Kampong Thom - Bericht über die Einweihung

Der Bericht stammt von unserem Kuratoriumsmitglied Dr. Wiprecht von Treskow, welcher von 1994 - 1997 Deutscher Botschafter in Kambodscha war. Die Fotos sind von Dr. Mellmann.

Am 7. Mai 2003 wurde in Kampong Thom , drei Autostunden nördlich der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh, das vom Zahnärztlichen Hilfswerk (HDZ) mit über 300 000 US-$ finanzierte Projekt "Renovierung und Erweiterung des Provinzkrankenhauses" übergeben. Festredner war dabei Kambodschas "starker Mann", Ministerpräsident Samdech Hun Sen. Und wie es ein weltweiter unausrottbarer Brauch ist, wurde daraus gleich eine Wahlveranstaltung gemacht, in der mit Blick auf die Parlamentswahlen im Juli die hehren Verdienste der (linken) Kambodschanischen Volkspartei um Volk und Gesundheit in Spruchbändern und Reden herausgestellt wurden. Hierzu waren vom Gouverneur aus der gesamten Provinz angeblich 10 000 Menschen herangekarrt worden, die unter bunten Zeltdächern bei 38 Celsiusgraden geduldig lauschten. Mit ihnen transpirierten, außer dem Berichterstatter, der Deutsche Botschafter und Frau Ohlraun aus Phnom Penh.

Übersicht über das Projekt kurz nach Fertigstellung

 






Die Intensivstation

 

 


Stirnseite der Ambulanz

 

 

 


Die neue Kinderstation

 

 

 



Der kambodschanische Freundschaftsorden

Die Baumaßnahmen des Projektes waren, teils um die HDZ-Finanzen zu schonen, teils um die Sorgfalt der - übrigens vorzüglichen - Baufirma zu testen, auf drei Jahresabschnitte verteilt worden. Geplant und anschließend überwacht wurde alles - EHRENAMTLICH - von zwei Mitarbeitern der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) in Phnom Penh , Frau Dr. med. Gertrud Schmidt-Ehry und ihrem Mann Christian Pichon, sowie von Herrn Robert Strnadl von der Deutschen Botschaft in Phnom Penh.

Der "Aufnahmetrakt " (einschließlich eines Notoperationsraums), der " Medizinische Trakt " (einschließlich Verwaltung) und der " Chirurgietrakt " (mit Maternity und Intensivstation) leuchten als blendend weißes " U " zwischen den Palmen hervor. Ein bei anderen Krankenhäusern des Landes unbekannter Luxus: ein überdachter Verbindungsgang zwischen den neuen Gebäuden . Wie lange wird das unglaublich aggressive Tropenklima dieses Weiß so schön leuchten lassen?

Alle Teile sind sorgfältig konzipiert und sorgfältig renoviert und erweitert worden. Die Arbeitsbedingungen des ansonsten miserabelst bezahlten Personals haben sich dadurch ebenso verbessert wie die Pflegemöglichkeiten für die zumeist bitterarmen Kranken. Dem Berichterstatter fiel es schwer, die ihm in der Erinnerung geblieben Fast - Ruinen des Jahres 1999 jetzt wieder zu erkennen, die man bei uns ganz einfach niedergewalzt hätte. So aber wurden sie mit viel handwerklichem Geschick renoviert, zum Teil mit Klimaanlagen versehen und mit pflegeleichten Bodenkacheln belegt. Auch an der Wandkachelung in sensitiven Räumen wurde nicht gespart. Um eine Vorstellung davon zu haben, was man alles in Kambodscha mit 300 000 US-$ machen kann, sei angemerkt, dass ein Maurer dort am Tage 1 Dollar verdient. Entstanden ist somit am River Stung, einem Zubringer des Mekongs, ein Juwel des Hilfswerks Deutscher Zahnärzte. Mit dessen finanzieller Unterstützung brachte der deutsche Arzt Dr. med. Karl Mellmann, der sich - auf eigene Kosten - über ein Jahr in Kampong Thom aufhielt, einen Container mit medizinischem Gerät mit nach Kampong Thom , das er bei
seinen hessischen Kollegen eingesammelt hatte. Dr. Mellmann sorgte dann dafür, dass diese Geräte fachgerecht installiert und die kambodschanischen Kollegen eingewiesen wurden.

Ministerpräsident Samdech Hun Sen dankte dann in seiner nach Landesmaßstäben knappen Rede von etwa neunzig Minuten für die vielfältige Hilfe des HDZ in Kambodscha im Besonderen und für die deutsche Entwicklungshilfe im Allgemeinen. Als Ausdruck der Dankbarkeit seiner Regierung übergab er Herrn Dr. Klaus Winter (in absentia), Frau Dr. Schmidt-Ehry, Herrn Pichon, Herrn Dr. Mellmann und Herrn Strnadl den kambodschanischen Freundschaftsorden nebst kalligraphisch prächtigen Verleihungsurkunden - eine sehr freundliche Geste der kambodschanischen Regierung .

Der Berichterstatter, obgleich tropenerfahren, durchlebte diesen Tag wie in Trance: nach einer nahezu schlaflosen Nacht bei 32 Grad, fühlte er bei 36 - 38 Vormittagstemperaturen, wie er langsam, trotz wiederholten Nachfüllens, dehydrierte. Aber er war glücklich, dass dieses Projekt dank vieler verlässlicher deutscher, französischer und kambodschanischer Freunde, zu einem so guten Ende gebracht wurde. Von diesem Werk künden nun bleibend und unübersehbar auf Khmer und Englisch an den Mauern des Provinzkrankenhauses Kampong Thom: eine Granittafel, zwei große Messingplatten, vier Plastikplaketten:

" Wanderer - kommst Du nach Kampong Thom: sag, Du hättest uns da hängen
gesehen!"

Und vielleicht fühlt sich die einen oder anderen deutschen MedizinerInnen, die dies lesen, angeregt, für einige Zeit an den River Stung zu ziehen. Es kann nur das eigene Leben bereichern. Und mögen dann noch ihre guten Taten der Zahl ihrer Lebensjahre hinzugerechnet werden!

19.Mai 2003
Dr. Wiprecht von Treskow
HDZ-Kurator, 1994 - 1997 Deutscher Botschafter in Kambodscha

 

Zum 1. Teil

bisherige finanzielle Aufwendungen in Kambodscha