A.R.T.  Projekt in Gambia

Aufbau einer zahnmedizinischen Grundversorgung

a.r.t.Projekt *) Gambia ist ein gemeinsames Projekt der Universität Witten-Herdecke (Fakultät für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde) und des Hilfswerks Deutscher Zahnärzte für Lepra- und Notgebiete. Näheres unter: http://notesweb.uni-wh.de/wg/zmk/wgzmk.nsf/name/art-profil-DE
und den Pressemeldungen aus 2006/2007:
--  New Generation Gambia Externship III vom 11. Sept bis 10. Okt 2006
--  Fortführung der modulären COHWAusbildung im „Kindergarten Wattenscheid“, Brikama
--  Wittener Zahnmediziner bilden Zahnbehandler in Gambia aus


Im wesentlichen unterstützt das Hilfswerk das aufzubauende zahnmedizinische Betreuungskonzept in Gambia finanziell. Dabei geht es in erster Linie um die Ausbildung von Community Oral Health Workers (COHWs) Vorort. Diese COHWs haben als "zahnmedizinische Fachhelfer" die Aufgabe, in Gambia möglichst flächendeckend
1. Zahnprohylaxe zu betreiben,
2. frühdiagnostisch Schmelz- und Dentinkaries zu erkennen und
3. diese nach der sog. ART- Technik zu behandeln.

Analog der chinesischen Barfußärzte, die das Hilfswerk Deutscher Zahnärzte vor vielen Jahren zum großen Teil mit zahnärztlichen Instrumenten ausgerüstet hatte, ist diese Hilfe ebenso eine nichtakademische Ausbildung zur Selbsthilfe, die über die nächsten Jahre durch qualifizierte Lehrer und Studenten der Uni Witten auf den Weg gebracht werden soll - und das kostet eben Geld.
In Gambia ist das Kariesvorkommen, insbesondere unter Kindern und Jugendlichen relativ hoch. In den urbanen Gebieten haben etwa 90% dieser Population ein oder mehrere kariöse Zähne. Bei über 50 % dieser Kinder betrifft dies mehr als ein Viertel der vorhandenen Zähne. Durch die Ausbildung und das Etablieren von  Community Oral Health Worker (COHW) könnte diese Situation langfristig geändert werden. COHWs sollen in den Kommunen arbeiten und dort insbesondere in Kindergärten und Schulen. In Gambia liegen die Aufgaben eines COHW zunächst in der Aufklärung über die Entstehung und Vermeidung oraler Erkrankungen, der regelmäßigen Untersuchungen der Population, Maßnahmen der Prävention unter den lokalen Bedingungen und Erfordernissen, der Frühtherapie von Karies und Parodontalerkrankungen sowie in der Anwendung der a.r.t.- Technik.

In Gambia gibt es 22 frei praktizierende Zahnärzte. Davon sind 21 in der Hauptstadt Banjul oder in unmittelbar benachbarten Städten tätig. Auf Grund der wirtschaftlichen Situation in Gambia hat das Land kaum Chancen, in den nächsten Jahrzehnten eine zahnärztliche Versorgung für die 1,2 Mio. Einwohner nach europäischem Vorbild zu bekommen.

==> Abschlußbericht für das Jahr 2004

Eine von uns durchgeführter "Sonderspendenaufruf" brachte nach 3 Jahren folgendes Ergebnis:

1. Altgolderlöse :                            € 200.240 (DM 391.635)
2. Geldspenden:                             € 5.164 (DM 10.100)
3. Zins-Einnahmen:                        € 7.264 (DM 14.207)
4. HDZ-Spende Pilotprojekt 1999     € 17.742 (DM 34.700)

5. Einnahmen insgesamt: € 230.410  (DM 450.643)

*) "a.r.t. = atraumatic restaurative treatment  wurde Mitte der 80er Jahre in Tansania/Ostafrika entwickelt und beschrieben (Frencken, 1985) und in vielen Ländern erfolgreich eingesetzt. Es ermöglicht eine Kariesbehandlung ohne technischen Aufwand und ohne Strom und ist damit fast überall einsetzbar. Es basiert auf der Entfernung kariös erweichten Dentins mit Löffelexcavatoren. Die Kavitäten werden mit Wattepellets gewaschen und getrocknet und anschließend mit einem Zementkunststoff - GIZ - gefüllt."; aus zm 89,Nr.8, 16.4.1999.
==> ART-Technik im Zahnlexikon

 
 
 
 

durch das Projekt betreuter
Kindergarten


eines unserer Teams
mit einem Coworker


Untersuchung auf Karies

Abschlußbericht für das Jahr 2004

Wie angekündigt, wurde in diesem Jahr die zweite Phase der Ausbildung gestartet. Dabei sollten zehn Personen aus Krankenhäusern und umliegenden Health Centren zu Community Oral Health Workers ausgebildet werden. Das Training startete im August und war zwölf Wochen lang. Geleitet wurde dieses Trainingsphase von Frau Dr. Rebecca Howe und Herrn Martin Klar. Leider musste eine junge Frau aufgrund unendschuldigter Fehlstunden vom Training ausgeschlossen werden, weshalb nur neun Personen den Abschluß gemacht haben. Diese neun COHW´s gehen alle in Ihre Krankenhäuser und Health Centren zurück, um dort Füllungen zu legen, Extraktionen zu machen und Prävention zu betreiben. Für alle COHW´s wurde eine Grundausstattung mit den Mitteln des Hilfswerks gekauft. Um auch eine weitere Versorgung mit Materialien zu gewährleisten, wird ein Teammitglied alle zwei Monate diese Krankenhäuser und Health Centren besuchen und entsprechende Verbrauchsmaterialen bereitstellen. Wir haben uns entschlossen, ein Lager mit Materialien in Banjul und Jahaly zu errichten, wo diese dann nach Rücksprache angefordert werden können. Da die Preise in Gambia für eine Extraktion oder eine Füllung jeweils unter 1€ liegen, werden die Materialien vorerst noch gesponsert.
Da wir von mehreren weiteren Krankenhäusern gebeten wurden weitere COHW´s auszubilden, haben wir uns entschlossen von Januar bis März ´05 ein zusätzliches Training anzubieten, welches wieder von Herrn Dr. Eyal Shemen und Herrn Martin Klar geleitet wird. Hier wurden von der Regierung 10 KrankenpflegerInnen bereitgestellt. Durch das umfassende Wissen über Krankheiten und deren Ursache gestaltet sich diese Ausbildung als sehr erfolgreich. Diese 10 Personen werden dann wieder auf die 5 major health Centren verteilt. Dabei kann von Seiten der Regierung leider noch nicht sichergestellt werden, ob sie auch weiterhin als COHW ganztägig arbeiten können, da von den major health centren kein Etat für Zahnbehandlungen vorgesehen ist. Wir versuchen gerade aktiv die Regierung und die health Centren von der Wichtigkeit dieser Behandlungen zu überzeugen. Mit den Einnahmen der COHW´s und einem geringen Sponsoring durch das HDZ kann durchaus eine positve Bilanz für die Health Centren entstehen. Damit wäre gewährleistet, dass sich dieser neue Berufszweig in Gambia etablieren kann.
Um die Flexibilität der lokalen COHW-Gruppe zu gewährleisten, wurde 2004 für 18.000€ ein Nissan Hardbody gekauft. Dieser wird nur in Jahaly eingesetzt, und dient vor allem dazu, diese Gruppe zu ihren Einsatzorten in der weitern Umgebung zu fahren, da vor allem Prävention an den umliegenden Schulen die Hauptaufgabe ist.
Die Zahl der Patienten im Jahaly Health Centre ist in den letzten Monaten sprunghaft angestiegen (über 300 pro Monat). Da immer zwei Personen ein Team bilden, haben wir uns entschlossen eine sechste Person einzustellen. Damit ist gewährleistet, dass jeweils ein Team pro Woche für Prävention an den Schulen in der Umgebung zuständig ist und die beiden anderen Teams sich den Früh- und Spätdienst in der Klinik teilen können.
Auch der Mithilfe des Hilfswerks Deutscher Zahnärzte ist es zu verdanken, dass das Projekt so erfolgreich geworden ist. In diesem Jahr werden wir im Juli in der Universität Witten Herdecke eine kleine Feier zum zehnjährigen Bestehen des Gambia-Projekts durchführen. Hiermit möchte ich Sie herzlich dazu einladen. Der genaue Termin wird noch bekannt gegeben.

gez.:
Zahnarzt Martin Klar, Projekt Koordinator, Uni-Witten-Herdecke

 

Pressemitteilung vom 8.8.2005

"Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung
Private Universität Witten/Herdecke gGmbH, Dr. Olaf Kaltenborn,
08.08.2005 10:48

Wittener Zahnärzte forschen in Gambia

Seit zehn Jahren engagieren sich Wittener Ärzte und Studierende der
Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde im westafrikanischen Land Gambia für
die Zahngesundheit der Landbevölkerung. Während in den Städten
immerhin einige wenige Zahnärzte praktizieren, haben viele Menschen
auf dem Land noch nie einen Zahnarzt gesehen. In der Hilfsstation
Jahaly Health Center bilden die Wittener daher einheimische Fachkräfte
für die Zahnbehandlung aus. In bisher sechs Dissertationen hat die
Universität Witten/Herdecke untersucht, wie es um die zahnärztliche
Versorgung steht.

Ein Ergebnis: Immer mehr Kinder in Gambia bekommen Karies, in den
Städten zweimal mehr als auf dem Land. Damit liegt Gambia im selben
Trend wie der Rest Afrikas, Asien oder Südamerika. Die Zahngesundheit
bei Kindern und Jugendlichen in der "Dritten Welt" wird schlechter,
gleichzeitig wird sie in den "Entwickelten Ländern" besser. Das war
vor 20 Jahren noch genau anders herum. Ein Erklärungsansatz der
Wittener Forscher: Neben den bakteriellen Ursachen für Karies spielen
die immer bessere Pflege und Ernährung im Norden und schlechtere im
Süden eine Rolle.

Ein weiteres Beispiel: Die einheimischen Fachkräfte lernen, zerstörtes
Zahnhartgewebe mit Handinstrumenten zu entfernen (schließlich fehlt
der Strom für den Bohrer) und das Loch mit so genanntem Glas-Ionomer-
Zement zu füllen. Wittener Forscher haben nun untersucht, ob es einen
Unterschied gibt in der Haltbarkeit der Füllungen von Einheimischen zu
denen, die Wittener gelegt haben. Ergebnis: Gibt es nicht. Das
Verfahren und die Ausbildung der Fachkräfte verbessern also die
Versorgung.

Weitere Dissertationen sind in Arbeit. Hinzu kommt die Habilitation
von Andreas Rainer Jordan, der als Student zu den Gründern des Gambia-
Projekts gehörte und heute dessen Leiter ist. "Ich möchte Perspektiven
aufzeigen, wie eine zahnmedizinische Basisversorgung allgemein in
Regionen ohne Infrastruktur etabliert werden kann", sagt der
Zahnmediziner, der sich bei seinen Studien auch auf die Erfahrungen in
Gambia stützt.

Ein Ansatzpunkt für Länder wie Gambia liegt in der Ausbildung
einheimischer Fachkräfte. In Absprache mit der gambischen Regierung
gingen bei den Experten der Universität/Witten Herdecke bisher mehr
als 20 so genannte Community Oral Health Worker (COHW) "in die Lehre".
Für die jeweils dreimonatigen Kurse fliegt ein Team aus Witten in das
westafrikanische Land. Die COHWs sollen sich nach und nach über das
ganze Land verteilen. Zu ihren Aufgaben gehört neben der
zahnmedizinischen Grundbetreuung auch eine Aufklärung über die
Notwendigkeit vorbeugender Zahnpflege.

Ein zukünftiger Schwerpunkt einer COHW-Ausbildung, so der Habilitand
Andreas Jordan, sollte darin liegen, Veränderungen der Mundschleimhaut
frühzeitig zu erkennen. Hier sieht der Zahnmediziner besonders für
Länder, in denen AIDS-Tests kaum angeboten werden oder zu teuer sind,
einen "ganzheitlich-medizinischen Aspekt". Andreas Jordan: "Es ist
bekannt, dass bereits im frühen Infektionsstadium spezifische
Veränderungen der Mundschleimhaut und des Zahnfleisches einen Hinweis
auf eine bestehende HIV-Infektion geben können."

Das Hilfsprojekt in Gambia wurde von Wittener Studierenden gegründet.
Im Sommer des Jahres 1995 flog das erste Team in das westafrikanische
Land. Die Initiative wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO)
unterstützt und kooperiert mit dem Hilfswerk Deutscher Zahnärzte, aus
dessen Altgold-Sammelaktionen die Wittener Initiative maßgeblich
finanziert wird.
Zu den weiteren Förderern gehört die Firma Voco, die
auch Glas-Ionomer-Zement für die Karies-Behandlung zur Verfügung
stellt. Aus Anlass des 10-jährigen Bestehens des Gambia-Projekts wird
die Wittener Fakultät für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde am 9.
November 2005 einen "Jubiläumsworkshop" in der Universität
veranstalten.

Weitere Infos: Andreas Jordan, 02302/926-626, andreas.jordan@uni-wh.de
 www.uni-wh.de/zmk  > Fachschaft Zahnmedizin > ART-Projekt