Rehabilitierungsphase Granja Moglia innerhalb des Straßenkinderprojektes in Santa Cruz / Bolivien
(Granja = landwirtschaftlicher Betrieb)

a) Projektbeschreibung
b) Bildbericht

 

Zielgruppe: Jugendliche, die schon eine Zeitlang auf der Straße leben, aber die Absicht bekundet haben, ein neues Leben zu beginnen
Ziele des
Projektes:
Aufnahme von Jugendlichen von der Straße oder in Risikosituationen.
Angebot eines sicheren und gut durchstrukturierten Lebensrahmens.
Medizinische und und therapeutische Betreuung, möglichst Rückführung in die Herkunftsfamilie
Beantragte Maßnahmen: Bau eines 700 qm umfassenden Gebäudes mit drei Schlafsälen, 2 Aufenthalts-Räumen, einem Speisesaal, einem Büro und Wohnräumen für Erzieher und Sozialarbeiter
Fertigstellung Herbst 2002
Gesamtvolumen: 143.165 EUR  (280.000 DM)
Unterstützung
durch das Hilfswerk der Deutschen Zahnärzte
112.485 EUR  (220.000 DM)

Das Straßenkinderprogramm Santa Cruz hat folgende Phasen:

Das Projekt Granja Moglia soll eine zusätzliche Phase darstellen, in der Jugendliche auf dem Gelände der Landwirtschaftsschule Muyurina in Montero, eine Autostunde von Santa Cruz entfernt, in Krisensituationen oder während eines Drogenentzugs, vorübergehend in der Landwirtschaft arbeiten und auch die Chance haben werden, eine landwirtschaftliche Ausbildung zu durchlaufen. Diese Phase wurde durch das Hilfswerk deutscher Zahnärzte finanziert und wird bis September 2002 fertig gestellt. Es sind Schlafsäle, Gemeinschaftsräume und Unterrichtsräume vorgesehen für bis zu 35 Jugendlichen. Das Baugelände liegt auf dem Gelände der Landwirtschaftsschule Muyurina, die ein Teil ihres Territoriums auch zu Bauzwecken für Siedler aus Montero zur Verfügung stellen wird. Da das Baugelände noch nicht erschlossen war, und die Stadt die Bauerlaubnis über längere Zeit verzögert hat, konnten erst jetzt die notwendigen Infrastrukturen geschaffen werden: Elektroleitungen, Wasserleitung, Abwasserleitungen etc.

Die Ausbilder für das Projekt Granja Moglia sollen zum Teil aus der Landwirtschaftsschule Muyurina kommen, junge Leute, die bereits an der Universität studieren und ein Praktikum machen sollen. Es wurde auch schon ein Erzieher für die Arbeit in Granja Moglia angestellt. Außerdem möchte man eine Familie auf dem Gelände unterbringen, die die Jugendlichen begleitet. Man sieht die ganze Einrichtung und auch die Ausbildung in den landwirtschaftlichen Bereichen eher als eine therapeutische Maßnahme. In einer Vorstufe sind jetzt schon 5 junge Leute aus Santa Cruz in der Landwirtschaftsschule San Jose (Pfarrei San Carlos) untergebracht. Allerdings geht dies nicht ohne Spannungen ab, da die jungen Leute von der Stadt vollkommen andere Lebensweisen mitbringen, als die Jugendlichen vom Land.
Andererseits haben schon einige der Jugendlichen entdeckt, dass es ihnen auf dem Lande besser geht und dass sie großes Interesse für landwirtschaftliche Arbeiten haben. Die Landwirtschaftsschule San Jose hat Kapazitäten frei, da auch auf dem Lande größeres Interesse zur Ablegung des Abiturs besteht, als zur Ablegung einer beruflichen Ausbildung.


Im September 2003 erreichte uns nachfolgender Bericht mit Bildern:

ich möchte Ihnen einen herzlichen und "erfrischenden" Gruß senden, denn wir haben von der großen Hitze in Europa gelesen. Unser launischer Winter bringt uns kalte Tage, Wochen mit trockenem Wind voller Sand, Regentage sowie heiße Tage und kühle Nächte. Das ist die Jahreszeit, und es ist gut so. Aber es ist auch die Zeit, in der unser Werk, die GRANJA MOGLIA, vollendet ist und in hellen Farben leuchtet: Die verschiedenfarbigen Dächer glänzen (einige rot, die Dächer der Stallungen metallen, etwas höher die strohgedeckten Dächer des Pahuichi, der als Mehrzwecksaal dient. Von weitem sieht man schon die weißen Platten des Sportplatzes. Am Rand der Straße weisen Schilder und Pfeile den Passanten den Weg zur Granja, damit jeder sie erreichen und besichtigen kann. Ein hoher Wassertank, der mittels einer Pumpe aus einem Brunnen gespeist wird, gewährleistet die Wasserversorgung und ein Transformator die Stromversorgung.

Das Haus ist ausgesprochen schön, es wirkt gastlich und freundlich, allen Leuten gefällt es. Die Fotos, die wir beifügen, belegen das. Das Haus ist komplett ausgestattet, so dass es voll funktionsfähig ist. Entsprechend dem pädagogischen Plan werden nach und nach neue Kinder aufgenommen bis zur maximalen Kapazität von etwa 50 Kindern und Jugendlichen. In den letzten drei Monaten haben wir in der Granja 25 Jungen aufgenommen, die schon eine kleine Gemeinschaft von Freunden und Brüdern bilden, angeleitet von den Verantwortlichen des Programms. Dabei handelt es sich um eine Psychologin, drei Erzieher und drei externe Volontäre, einen Nachtwächter, der auch mit der Garten- und Tierpflege betraut ist und eine Köchin. Ein Kind wird dann aufgenommen, wenn die Verantwortlichen des Techo Pinardi befürworten, dass es vorbereitet und entschlossen ist, den Wechsel in das neue Leben zu versuchen.

Die Granja Moglia hat zum Ziel, den Kindern und Jugendlichen eine Zeit der Erfahrung, der Reflektion und der Probe zu bieten, um sich an das regelmäßige Leben im Internat zu gewöhnen, mit Regeln der Disziplin, mit der Verpflichtung, zu lernen und zu arbeiten, mit der Anstrengung, das Leben auf der Straße zu vergessen, die Banden, die Drogen, den Raub... Es ist ein Programm, das uns begeistert: Es ist wie ein Lebensretter, der sich auf den Ertrinkenden stürzt und ihn auf festen Boden zieht, der ihm hilft, mit Hoffnung in die Zukunft zu sehen und die negativen Erfahrungen hinter sich zu lassen, die ihn manchmal sehr gezeichnet und tiefe Wunden hinterlassen haben.

Das Programm sieht ein Gleichgewicht vor zwischen Gemeinschaftsleben, Lernen und Arbeiten, Gruppentherapie und Einzelgesprächen mit der Psychologin und den anderen Erziehern. Wir warten jetzt auf einen Wetterwechsel, da es zur Zeit zu trocken ist, um Bäume zu pflanzen, Gemüse zur Versorgung der Kinder und Futtermittel für die Tiere - wir möchten vieles anpflanzen, um einen richtigen Bauernhof daraus zu machen. Die Ställe für die verschiedenen Tiere sind fertiggestellt, aber wir wollen die Tiere auch mit selbst angebautem Futter versorgen. Die Salesianischen Brüder der Escuela Superior de Agrnomia unterstützen uns mit ihrer Erfahrung in diesem Sektor. Sie werden uns anleiten, die Nutztiere zu halten und zu züchten und die Jungen in der Pflege unterweisen. Ich denke, im Monat Oktober mit seinen gelegentlichen Niederschlägen werden wir uns in das Abenteuer eines "Lebens auf dem Bauernhof' stürzen können, zwischen Gemüseanbau und Tierhaltung. Die Kinder freuen sich sehr und wir auch. Natürlich warten wir immer auf Volontäre, die uns mit ihrer Erfahrung unterstützen und den Kindern die Methoden und Techniken vermitteln, damit alles gut funktioniert.

Aus wirtschaftlicher Sicht können wir feststellen, dass die Vorsehung sehr großzügig war und uns die notwendige Hilfe geschickt hat, um das gesamte Projekt in seinen verschiedenen Etappen zu realisieren. Wir fügen die Schlussabrechnung bei, wobei die Anschaffung und der Unterhalt der Tiere noch ausstehen, sowie der Kauf von Pflanzen, Sämlingen und Düngemitteln und die Vorbereitung des Bodens.

Wie Sie im Detail in der Abrechnung des Bauunternehmens CONAR sehen, sind zum ursprünglichen Kostenvoranschlag von USD 113.246,00* einige zusätzliche Ausgaben hinzugekommen: für den Zugangsweg, für die Wasserversorgung, zur Anlage des Platzes und der Gärten, für Stromversorgung und Einzäunung des Geländes (aus Sicherheitsgründen) und schließlich für die Anlage des eigentlichen Bauernhofes mit den Tierställen, von denen einige gebaut wurden, andere werden noch folgen. Damit belaufen sich die Gesamtausgaben auf USD 157.270,00.*

Abschließend möchten wir Ihnen einen herzlichen Dank für die große Hilfe aussprechen.
Ich kann Ihnen nur sagen, dass die Kinder, die wir auffangen konnten, die Freude haben zu wissen, dass ihnen einige Freunde geholfen haben und sie auf dem Weg in ein neues, würdiges Leben begleiten.
Von meiner Seite und der der Salesianischen Kommunität haben Sie die Gewissheit, dass wir jeden Tag für Sie beten, dass Gott Ihnen Ihre Großzügigkeit mit allen Gaben, die Sie wünschen, vergelten möge.

Mit einem herzlichen Gruß

Pater Octavio Sabbadin Direktor "Hogar Don Bosco" Santa Cruz / Bolivien