Zahnmedizinisches Projekt "Asia Smile" (Kambodscha)

Verlauf:

Mir Erhalt der Spende des HDZ am 22.02.2001 konnte das Projekt ASIA SMILE in die aktive Phase übergehen. Erster Teil war die Beschaffung von Gerätschaften und Material wie vereinbart in der Projektbeschreibung. Im Hinblick auf die lange Laufzeit des Projektes, geplant sind 5 Jahre, und aufgrund der Erfahrungen mit der Mobilen Klinik der Dental School, wurde bei der Beschaffung entweder Neuteile oder neuwertige Teile gekauft. Vor allem bezogen auf die Fahrzeuge war dies von besonderer Wichtigkeit, da die Belastung und der Verschleiß doch erheblich sind.
Neben den kleineren Posten der Beschaffung, die in Eigenregie durchgeführt wurden, hat sich diesmal als sehr positiv erwiesen, einen Hauptlieferanten zu beauftragen, der die notwendigen Käufe und vor allem Formalitäten wie Transport, Entzollung und Bereitstellung im Auftrag erledigt. Bei unserem lokalen Partner handelt es sich um die Firma MEDTECH CAMBODIA, eine junge kambodschanische Firma, die sich auf den Bereich medizinische Geräte und Service spezialisiert hat. Neben der Beschaffung von unserem Gerät hat sich diese Firma mittlerweile auch gut als Wartungspartner für die Behandlungsstühle der Dental School bewährt. Die Arbeiten sind gut und der Service sehr zuverlässig.
Nun zu den einzelnen Gerätschaften:

1. Fahrzeuge:
Dies war der größte Kostenfaktor der Beschaffung, da aus oben genannten Gründen Neufahrzeuge zu beschaffen waren. Ausgehend von einem älteren Kostenvoranschlag der Toyota Mo. Co. welcher Grundlage für den Projektentwurf war, wurden die aktuellen Modelle und Preise überprüft und es ergab sich ein interessantes Angebot, welches letztendlich genutzt wurde. Angeboten wurden Neufahrzeuge des Typs HJ 80, Land Cruisier, keine Zulassung, aber aus der Baureihe 99. Dieser Typ gilt als sehr robust und haltbar, gleichzeitig bietet er einen ordentlichen Komfort für lange Strecken, die Möglichkeit 10 Personen zu transportieren und/oder reichlich Gerät. Vor allem der Vorteil des Personentransportes gegenüber dem Toyota Hilux (angeboten zum fast gleichen Preis, jedoch max.5 Personen) war kaufentscheidend. Die gewählte Farbe ist weiß und die Ausstattung Standart nach UN Norm, nur was notwendig ist (das reicht aber auch). Mit im Lieferumfang waren Ersatzteile sowie Zusatzausstattung.
Die Lieferung war problemlos, jedoch zeigten sich bei der Werkstattarbeit einige Unklarheiten, wie ich die Umrüstung haben wollte. Um weiteren Problemen aus dem Weg zu gehen, habe ich die Fahrzeuge unverändert in Empfang genommen und zu unserer Vertragswerkstatt gebracht, JVC, eine japanische Lehrwerkstatt, die sehr gute Arbeit leistet und außerdem noch etwas billiger war. Da ich mit dieser Werkstatt schon seit 1996 zusammenarbeite gab es keinerlei Probleme mit dem Umbau der Fahrzeuge. Probleme gab es jedoch mit dem Altfahrzeug der Mobilen Klinik der Dental School. Hier hatten sich doch einige Mängel angemeldet und der Betrieb musste vorerst eingestellt werden. Aus diesem Grunde gab ich diesen Wagen zu einer Überholung ebenfalls in besagte Werkstatt, ich hoffe, die Abwicklung unter dem Budget ASIA SMILE ) war in Ihrem Sinne. Das Fahrzeug ist nun wieder gut Einsatzbereit.

2. Behandlungseinheiten und Röntgen:
Dieses Gerät wurde von MEDTECH CAMBODIA besorgt, Shirana bzw. Esseda Gerät mit robustem Charakter und sehr zuverlässig. Verändert wurde von mir die Bestückung, an der ersten Einheit hatten doch die Turbinen (mittlerweile beide) zu schnell ihren Geist aufgegeben. Die neuen Einheiten sind mit KaVo Handstücken und Turbinen bestückt. Weiterhin wurde als Extraausstattung ein Metalcover hergestellt, welches zwar die Einheit nun etwas schwerer und unhandlicher macht, dafür aber wesentlich robuster ist, und dies war mir besonders wichtig. Ebenfalls Erfahrungen aus der Mobilen Klinik Dental School. Dental X-Ray 55kv sehr robust und einfach zu bedienen, gleichzeitig gut verpackt für den Transport und schnell zu montieren. Ein Spannungsrichter wurde für alle Gerätschaften gekauft, der eine gleichmäßige Spannung garantieren soll. Bei plötzlichem Start des Kompressors oder eines anderen großen Verbrauchers geht der Generator immer kurz in die Knie, was somit ausgeglichen werden soll.


3. Stromerzeuger
Der Generator ist ein Second Hand Generator mit 5 KV A, was für unseren Einsatzzweck vollkommen ausreicht mit den nötigen Reserven. Das Gerät ist soundproof und der Verbrauch ist angenehm niedrig, ca. 1 Liter Diesel für 2 Stunden Laufzeit, abhängig von der Auslastung.


4. Hygieneausstattung
Hier wurde sowohl selber beschafft wie auch durch Auftrag, zwei Sets Sterilisation mit Instrumentenaufbereitung und Nasszeile.


5. Wasseraufbereitung
Es konnte aufgrund des Preises nur eine Aufbereitungsanlage gekauft werden, dies kommt jedoch dem Projektplan entgegen, da die näheren Einsatzziele in der Regel gut mit Trinkwasser aus dem Kanister versorgt werden können. Für die längeren und weiter entfernten Fahrten steht eine UV-Aufbereitungsanlage zur Verfügung, beide Kliniken haben jedoch eine Druckpumpe als Grundversorger der Wasserzuleitung.


6. Behandlungszelt und Begleitausstattung
Bei dem Behandlungszelt konnte im Wesentlichen auf die Erfahrung mit der Mobilen Klinik Dental School zurückgegriffen werden, verändert wurde das Gerüst, welches nun Aluminium-Teile besitzt, um das Transportgewicht zu reduzieren. Ansonsten war diese Beschaffung problemlos. Die Begleitausstattung wurde soweit reduziert, dass Schränke und Tische sowie Sitzgelegenheiten so klein und leicht wie möglich sein sollten, um ebenfalls das gewicht zu reduzieren.

7. Material und Prävention
Mit dieser Beschaffung wurde bis zum Schluss gewartet, um die Lagerung so kurz wie möglich zu halten. Beschaffung war kein Problem, da der Zulieferer mir seit Jahren als sehr zuverlässig bekannt ist. Der Anteil an Präventiv-Material ist hoch, da wir für dieses Jahr der Prävention den Vorrang geben wollen, neben den notwendigen Sofortbehandlungen natürlich. Neben dieser Bestellung konnten wir uns ebenfalls über private Spenden aus Deutschland und Kambodscha freuen, welche uns mit Medikamenten, Füllungswerkstoffen und weiteren Behandlungsmaterialien versorgten. Somit ist der Bedarf für dieses Jahr (2001) gesichert.

8. Dental School
Mit der Dental School wurde ein Partnerschaftsvertrag abgeschlossen, indem HCC die Wartung der Behandlungsstühle übernimmt unter ausdrücklichem Hinweis auf die Spende des Hilfswerkes Deutscher Zahnärzte sowie die Hygiene-Beschaffung für die Zahnklinik der Dental School. Ein Wartungsvertrag wurde nach altem Bild nun mit MEDTECH CAMBODIA abgeschlossen und Hygiene-Ausgaben werden monatlich in Belegen aufgeführt und abgerechnet. Dies läuft soweit alles nach altem und bewährtem Muster.


Ich schließe diesen Beschaffungsbericht mit dem ausdrücklichen Dank meiner kambodschanischen Kollegen an der Dental School und dem ganzen Team von Healthcare Cambodia.

mit freundlichem Gruße

Dr. Wolfgang Schmidtberg

Siehe auch Jahresbericht 2003 von Dr. Schmidtberg
Siehe auch weiteren Bericht (Aktivitäten in 2003) von Dr. Schmidtberg

Siehe auch weiteren Bericht (Aktivitäten in 2001) von Dr. Schmidtberg


"ASIA SMILE" - IHR ZAHNGOLD LÄSST WIEDER LÄCHELN

(Der Autor, Dr. Wiprecht von Treskow, war von 1994 bis 1997 Botschafter im Königreich Kambodscha, und besuchte als EU-Wahlbeobachter im Januar 2002 Kampong Thom )

Laut Bibel sind des Herren Wege wundersam, und ähnlich wundersam und verschlungen sind die Wege mancher Form der Nächstenliebe. Ich bin einem dieser Wege gefolgt: So von der abgelösten, danach von Ihnen gespendeten goldenen Zahnkrone in Göttingen bis in die kambodschanische Bergprovinz Mondulkiri. Vom schmerzverzerrten Lächeln einer Patientin irgendwo im deutschen Lande bis hin zum dankbaren Lächeln eines Khmers (= Kambodschaners) im Zahnarztstuhl der mobilen Zahnklinik des Dr. med. dent. Wolfgang Schmidtberg , dem Gründer von "Asia Smile" in Phnom Penh.
Am Anfang stand eine Idee, auf die man - auch als Zahnarzt - erst einmal kommen muss. Der leider 2001 verstorbene Zahnmediziner Carl Heinz Bartels hatte sie, als er in den 50er Jahren von mehrmaligen Aufenthalten in Thailand nach Göttingen zurückkehrte. Er gründete dort das "Hilfswerk deutscher Zahnärzte für Lepra- und Notgebiete" (HDZ), um das von Patienten seiner immer zahlreicher partizipierenden Kollegen gespendete Zahngold einzusammeln, von der DEGUSSA und HERAEUS (gratis) einschmelzen zu lassen.
Im Jahr 2001 sammelte das inzwischen von Dr. med.dent Klaus Winter in Bad Lauterberg geleitete HDZ jährlich gespendetes Zahngold im Werte von einer Million EURO ein. (Ach, wie oft habe ich mir gedacht, wie einträglich es doch wäre, wenn man mit den vielen goldenen Worten unserer Politiker ähnlich verfahren könnte ...). Mit diesem Geld werden Hilfsprojekte - Krankenhäuser und deren Einrichtungen, Schulen, ambulante und stationäre Zahnarztstationen, die Leprakrankenpflege in der Dritten Welt und in Osteuropa finanziert.
Das zahnärztliche Hilfsprojekt "Asia Smile" in Phnom Penh kaufte im Jahr 2001 mit den 120.000 EURO des HDZ zwei Toyota Landcruiser , die Dr. Schmidtberg, damals noch (auf Khmer unterrichtender!) Langzeitdozent des hochverdienten Deutschen Akademischen Austauschdienstes an der Dental School in Phnom Penh, auf die schwierigen Einsatzbedingungen einer mobilen Zahnarztstation fachgerecht umrüsten ließ: Behandlungseinheiten nach deutschem Standard, Generator, Hygieneausstattung, Wasseraufbereitung, Material und Prävention. Schließlich wurde noch, um den werdenden Zahnärzten des Landes die reichhaltigen Erfahrungen der Dental School nutzbar zu machen, mit dieser ein Partnerschaftsvertrag abgeschlossen.
Nach dem Umbau rollte "Asia Smile" auf "Paris - Dakar" gleichen Pisten durch zwei der 18 Provinzen Kambodschas. Von Mitte Juli bis Ende November 2001 wurden 2.167 Patienten untersucht und behandelt. Es sind dies Menschen, die nur wenige EURO-Cents am Tage verdienen und 15 EURO im Monat, wenn sie das Lotterieglück hatten, den begehrten Job eines Regierungsangestellten zu ergattern. Großes Augenmerk wurde auf die Prävention gelegt, Lehrer und Schulkinder in Zahnhygiene unterrichtet - Zahnbürste und Paste als freie Zugabe. Daneben wurden vorzugsweise Notfälle und Schmerzpatienten behandelt.

Aus dem Tagebuch "Asia Smile - auf den Zahn gefühlt" des Dr. Schmidtberg: "Mondulkiri, vier Uhr morgens. Irgendwo kräht ein Hahn. Man kann die Uhr nach ihm stellen oder besser: Die Kambodschaner auf dem Land haben und brauchen keine Uhr.
Gut vorbereitet auf die verständliche Zurückhaltung der meist scheuen Bergbewohner wurde ich beim Eintreffen in Dag Dam von der Herzlichkeit überrascht. Ein Gespräch wurde schnell entfacht und als ich mich als Deutscher zu erkennen gab, nahm mich der Dorfvorsteher an der Hand und schritt mit mir in Richtung Dorfende. Dort einsam stand ein kleines Schulgebäude aus Holz. Bei näherem Hinschauen fiel mir ein Hinweisschild auf:
"Lazarusorden Hilfswerk deutscher Zahnärzte, Göttingen". Grüße und Hilfe vom Rest der Welt, wie mir schien. Es war ein schönes Erlebnis.
Immer mehr Patienten trudeln langsam vor unserem neben dem "Frauenzentrum" (1996 HDZ finanziert!) aufgeschlagenen Zelt ein, meist vom Bergstamm der Phnong, die eine Art Kilt tragen und große Elfenbeinscheiben in den Ohrläppchen. Die ersten Lastenkörbe stehen im Wartebereich und nachdem erklärt wurde, dass die Behandlung im Sitzen einfacher ist als im Stehen, kann es losgehen. In erster Linie werden Zähne extrahiert. Die Patienten haben da doch recht klare Ansichten: Was weh tut, kommt raus; was raus ist, kann nicht mehr weh tun! Da stehen wir nun nun mit unserer hochkarätigen Zahnmedizin. Aber in den meisten Fällen müssen wir dem Patienten Recht geben.
Draußen vor dem Zelt wird es immer mehr zum Kindergarten: Frauen und Männer um die 50 oder älter albern rum mit ihren tauben Wangen und Lippen: keiner von ihnen hat jemals zuvor eine Spritze bekommen, und nun kneifen und ziehen sie sich gegenseitig im Gesicht herum und freuen sich, dass es nicht schmerzt. Sicher werden sie in den nächsten Tagen an den Lagerfeuern der Phnong nur dieses eine Thema kennen.
23 Kinder müssen am Nachmittag behandelt werden. Die kleine Sreymau, mal eben fünf Jahre alt, kommt auf mich zu und klärt mich auf: "I don't want this - I want icecream!" Aber auch ihre überraschenden Englischkenntnisse helfen nichts - der Milchmolar muss raus!"

Mögen dies viele deutsche Zahnärzte und ihre Patienten lesen: Im Jahre 1813, im Kampf gegen Napoleon, und wieder im Ersten Weltkrieg gab es die Kriegsfinanzierungsaktionen "GOLD GAB ICH FÜR EISEN". Goldschmuck und -gerät wurden gegen eisernen Schmuck oder eiserne Kerzenhalter eingetauscht. Heute hingegen, in friedlicheren Zeiten, können Sie Ihr altes Zahngold gegen ein großes Khmerlächeln eintauschen. Jenes unvergleichlich herzwärmendes Lächeln, wie ich es in Dr. Schmidtbergs Zahnarztkarawane oben in den nebelverhangenen Bergen Mondulkiris sah.

Details....